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Der AStA im Rückblick – wichtige Stationen

Ob avantgardistisch oder reaktionär, ob links oder rechts: In seinen hundert Jahren trat der AStA in den Dienst von Systemen und Ideologien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein Auszug.

1919: Wie alles begann. Der Erste Weltkrieg hinterließ nicht nur ein wirtschaftlich ruiniertes Deutschland, sondern zugleich eine tief gespaltene Studierendenschaft. Durchsetzen konnte sich eine besonnene Mehrheit aus Kriegsstudenten, die im Frühjahr 1919 an allen Hochschulen der Republik Allgemeine Studentenausschüsse (ASten) gründeten und den Studierenden erstmals eine demokratisch gewählte Stimme verliehen. Um die materielle Not der Nachkriegszeit zu lindern, veranlassten die ASten den Bau von Wohnungsämtern und Mensen. Gleichzeitig arbeiteten sie an einer Reform der Hochschule.

1933: Der Weg in den Nationalsozialismus. Bereits im 19. Jahrhundert hatten sich weite Teile der Studierendenschaft für nationale und antisemitische Parolen empfänglich gezeigt. Im Windschatten des Nationalsozialismus vollzog sich nun eine bislang ungeahnte Radikalisierung, die auch an den ASten nicht spurlos vorbeiging. Vielerorts waren sie es, die die Jagd auf vermeintlich linke und jüdische Hochschullehrer eröffneten – und das lange bevor sie ihre Kompetenzen an die sogenannte Studentenführung abgeben mussten, die als ergebenes Werkzeug der Nationalsozialisten die politische und ideologische Schulung der Studierenden übernahm.

1968: Protest, Aufruhr, Widerstand. Kaum ein anderes Jahr steht so für studentischen Protest wie 1968. Überall in Deutschland demonstrierten Studierende gegen das verkrustete Hochschulwesen, die Regierung und die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Eine zentrale Organisationseinheit der Proteste waren die ASten, die in vielen Hochschulstädten von linksgerichteten Studierenden dominiert wurden und zu Reformen aufriefen. Schluss war 1968 noch lange nicht – der Geist der „68er“ wirkte noch weit in die 1970er hinein und veranlasste Auseinandersetzungen zwischen links- und rechtsgerichteten Studierendengruppen.