Heute vor 74 Jahren wurde in Seoul die Republik Korea gegründet. Genau drei Jahre vorher wurde die koreanische Halbinsel von der Kolonialherrschaft der Japaner befreit, und von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion entlang des 38. Breitengrades in zwei Besatzungszonen geteilt. Ursprünglich plante man, die beiden Landesteile rasch wiederzuvereinigen, unter einer demokratisch legitimierten gesamtkoreanischen Regierung. Doch dazu kam es nie. Stattdessen wurde das geteilte Korea zu einem der frühen Austragungsorte des Machtpokers im Kalten Krieg. Die USA und die Sowjetunion errichteten in ihren Besatzungszonen Militärregierungen, die jeweils den Anspruch auf die gesamte koreanische Halbinsel erhoben, und erklärten, auch dafür kämpfen zu wollen. Im Juni 1950 ließ Nordkorea auf Worte Taten folgen, und überschritt mit seinen Truppen den 38. Breitengrad. Drei Jahre lang bekämpften sich der Norden und der Süden, unterstützt von China, Sowjetunion und den USA. Der Koreakrieg kostete fast fünf Millionen Menschen das Leben, und verwüstete ganze Landstriche Koreas vollends. Am Ende blieb die Halbinsel aber weiterhin am 38. Breitengrad geteilt.

Zwar als Republik ausgerufen, hatte Südkorea einen langen, harten Weg zur Demokratie. Ihr erster Präsident, Rhee Syng-man, ließ während seiner Amtszeit mindestens 100.000 mutmaßlich kommunistische Sympathisanten ermorden, und hielt sich durch Wahlfälschung an der Macht. Nachdem Rhee 1960 durch Massenproteste zum Rücktritt und zur Flucht aus dem Land gezwungen wurde, putschte ein Jahr später der General Park Chung-hee und übernahm selbst die Macht. Unter Park erlebten die Bürger Südkoreas einen rapiden wirtschaftlichen Aufschwung, aber auch die Repressalien seiner autokratischen Militärregierung. Auf Park folgte eine weitere Militärdiktatur, deren Ende 1987 mit einer Reihe von Massenprotesten angestoßen wurde. Das wahre Ende der Militärdiktaturen und Südkoreas Wandel zur modernen Demokratie markierte aber erst die Wahl Kim Dae-Jung’s im Dezember 1997. Die Militärdiktaturen werden heute noch kontrovers diskutiert, vor allem die von Park: Die einen loben den massiven Wirtschaftsboom und die Modernisierung Südkoreas unter seiner Herrschaft, die anderen Kritisieren seine autoritäre Herrschaft und die Aufgabe der Bürgerrechte fürs Wirtschaftswachstum. Eine Vereinigung Koreas hat nichtsdestotrotz keine der Regierungen erreicht.

(ps)