Am 10.06.2026 wurde auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin bekannt geben, dass sich die RWTH Aachen an der Konzeptionierung des geplanten Technologiezentrum für die Verteidigungsindustrie Production Launch Centre Defense (PLCD) beteiligen wird. Das Rektorat begrüßt die Kooperation mit Hinweis auf die sicherheitspolitische Lage.

In der Präambel der Grundordnung der RWTH Aachen ist die sogenannte Friedensklausel festgehalten:

„Die RWTH verfolgt ausschließlich friedliche Ziele und leistet insofern ihren Beitrag zu einer nachhaltigen, friedlichen und demokratischen Welt.“

Diese Selbstverpflichtung schließt Forschung mit militärischer Anwendung nicht grundsätzlich aus. Die Friedensklausel formuliert jedoch den Anspruch, dass die absehbaren Folgen eines konkreten Forschungsvorhabens mitgedacht werden und friedlichen Zielen nicht widersprechen dürfen.

Das Rektorat der RWTH begründet die Kooperation zwischen der Hochschule und dem PLCD mit dem Argument, dass auch die militärische Verteidigung des Friedens ein friedlicher Zweck sei. Diese Begründung könnte ausreichen, wenn am PLCD ausschließlich Rüstungsgüter entwickelt würden, die nur im Falle eines unmittelbaren Angriffs auf Deutschland eingesetzt würden. Angesichts deutscher Rüstungsexporte in Milliardenhöhe müssen jedoch auch die möglichen Folgen von Technologien berücksichtigt werden, die über diesen Fall hinaus verwendet werden können.

Ein erheblicher Teil deutscher Rüstungsexporte geht an die Ukraine; dort lässt sich der friedenswahrende Zweck angesichts der russischen Aggression vergleichsweise leicht begründen. Auf der Empfängerliste deutscher Rüstungsgüter stehen jedoch auch Staaten, bei denen sowohl die völkerrechtliche Legitimität als auch die Einhaltung von Menschenrechten in der Kriegsführung in Frage gestellt werden müssen.

„Hier fehlt die kritische Betrachtung der von Deutschland genehmigten Rüstungsexporte und der Frage, ob diese tatsächlich zu einer friedlicheren und demokratischeren Welt beitragen“, sagt Destina Kolac, Vorsitzende des AStA der RWTH Aachen.

Der Beitrag der RWTH am PLCD liegt absehbar nicht in der Bereitstellung der Grundlagenforschung, sondern in der konkreten Planung von Fertigungsketten für Rüstungsgüter. Vor diesem Hintergrund ist die Transparenz und die Sicherstellung der Einhaltung ethischer Leitplanken von besonderer Relevanz. Der AStA der RWTH bedauert sehr, dass das Rektorat die Kooperation mit dem PLCD befürwortete, bevor diese Fragen in der Hochschulöffentlichkeit diskutiert und Leitlinien festgesetzt werden konnten.

„Eine unkritische Beteiligung an der Produktion von Rüstungsgütern, ohne Bedingungen an deren spätere Verwendung zu stellen, widerspricht dem selbst gesetzten Anspruch, sich ausschließlich friedlichen Zielen zu widmen.“, bilanziert die Vorsitzende.

Der AStA der RWTH fordert das Rektorat dazu auf, die Befürwortung der Kooperation zwischen der Hochschule und dem PLCD einzustellen, bis diese Fragen im Senat diskutiert wurden und sich mit allen Gruppen auf ein weiteres Vorgehen geeinigt wurde.